Heisenberg
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 Heisenbergs
 Doktorprüfung

Das sechste Semester -Sommer 1923- verbrachte Heisenberg wieder am Münchner Institut für theoretische Physik. Sommerfeld wollte, daß er mit einer Untersuchung über Turbulenz promoviert.

Er sorgte sich um Heisenberg, denn er wußte, daß bei Heisenbergs unsystematischem Studiengang Lücken in seinem wissen geblieben waren. Er sah voraus, daß sein Kollege Wien, der Experimentalphysiker, wenig Verständnis dafür aufbringen würde. Er empfahl Heisenberg dringend die Teilnahme am Fortgeschrittenen-Praktikum im Wienschen Institut. “Ich hatte von Wien die Aufgabe bekommen, über den Zeeman-Effekt der Hyperfeinstruktur. der Quecksilber-Linien zu arbeiten. Ich kam damit nicht voran, einfach weil ich nicht wußte, was man von mir erwartete. Ich erhielt einige Instrumente, darunter ein Fabry-Perrot-Interferometer. Aber ich wußte nicht, daß man die Erlaubnis hatte, in die Werkstatt zu gehen. So habe ich versucht, alles selber zu machen mit Zigarrenkistenholz. Das gefiel dem Professor überhaupt nicht. Wahrscheinlich dachte Wien: “Dieser junge Mann muß seinen Weg selber finden.” Aber das tatsächliche Ergebnis war, daß ich sehr bald das Interesse an der Arbeit verlor. Ich trieb theoretische Physik sogar während der Zeit, die ich im PhysikalischenIinstitut vonWwien verbrachte.”1

Im Interview mit Werner Heisenberg stellte der Wissenschaftshistoriker Thomas S. Kuhn die Frage nach dem Verlauf der Doktorprüfung bei Wilhelm Wien:

"Darüber zu sprechen, macht mir nichts aus. Die einzige Gefahr ist die, daß ich die Geschichte schon zu oft erzählt und jedesmal die Pointe verbessert habe.

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Heisenberg während seines Habilitationsvortrages

Ich hatte mich also nicht, was ich eigentlich hätte tun sollen, mit den prinzipiellen Fragen beschäftigt, die auf meine Versuchsanordnung Bezug hatten. In der Prüfung fragte mich Wien über das Auflösungsvermögen des Fabry-Perot-Interferometers. Er erwartete, daß ich die Theorie darlegen könnte -- wie das Auflösungsvermögen vom Plattenabstand abhängt usw. Und das hatte ich nie studiert. Während der Prüfung habe ich natürlich versucht, es herauszubringen, aber in der kurzen Zeit gelang es nicht. So hat er sicher gemerkt, daß ich einfach kein Interesse gehabt hatte. Da wurde er ärgerlich, und er fragte nach dem Auflösungsvermögen des Mikroskops.Als ich das nicht wußte, fragte er nach dem Auflösungsvermögen des Fernrohrs, und das wußte ich auch nicht...So fragte er nach der

Heisenberg während seines
Habilitationsvortrages

Wirkungsweise  des Bleiakkumulators, und das wußte ich ebenfalls nicht...Ich bin mir nicht klar darüber, ob er mich durchfallen lassen wollte. Wahrscheinlich hat es hinterher eine heftige Diskussion mit Sommerfeld gegeben."2

Im Hauptfach gab es nur eine Note, die sich aus den beiden Teilprüfungen in theoretischer und experimenteller Physik zusammensetzte. Also mußten sich Sommerfeld und Wien einigen. “Das Urteil Wiens lautete (sinngemäß) auf `bodenlose Ignoranz', während Sommerfeld (vermutlich) erklärte, bei diesem Doktoranden handle es sich um ein einmaliges Genie. Im Hauptfach `Physik' gab es schließlich noch eine III (ein `gerade noch bestanden'). Das ist die Note, mit der die schwächsten Kandidaten durchkommen."

Heisenberg erhielt im Nebenfach Mathematik eine I und in Astronomie eine II. Das Gesamtergebnis des Zeugnisses lautete “Note III (cum laude)”.3

Born: “Die wirkliche Komik dieser Geschichte wurde ein paar Jahre
später offenbar, als Heisenberg seine berühmte `Unbestimmtheitsrelation'
entdeckte...Heute ist wohlbekannt, daß die Formel delta-q x delta-p =
h-quer, die die Unbestimmtheit des Ortes q und des Impulses p ausdrückt,
weiter nichts als eine Übersetzung der optischen Gleichung delta-a =
lambda, die die geometrische Auflösung delta-a mit der Wellenlänge
verknüpft, in die `Teilchensprache' ist...Heisenberg war gewissenhaft
genug, um alle Fragen, die er in der mündlichen Prüfung nicht
beantworten konnte, nachzuschlagen...So erinnerte er sich wieder daran,
als die Zeit dafür reif war..."

Quellen:
1Interview Nr.3, S.2 f
2Interview Nr. 3 ,S.2 f
3Protokoll, Achiv der Ludwig-Maximilians-Universität München

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1997 Daniel Maringer