Heisenberg
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 Das Studium bei
 Sommerfeld
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Von seiner Schule wurde Heisenberg für das Maximilianeum vorgeschlagen. Diese Stiftung war schon 1852 von König Max II. zur Förderung Höchstbegabter gegründet worden. Aus dem Kreis der Abiturienten Bayerns werden dabei die allerbesten durch eine strenge Auslese bestimmt.

Am 7. Juli 1920 legte Heisenberg die mündliche Prüfung ab. Sie lieferte in der "Mathematik und Physik geradezu glänzende Proben von der hervorragenden und seltenen Begabung. Der Fachlehrer hatte ihm besonders schwierige  Aufgaben vorgelegt, bei deren Lösung er zeigen konnte, daß er mit seinen selbstständigen  Arbeiten weit über die Anforderungen der Schule hinausgekommen ist."1

Trotz des vorzüglichen Eindrucks wurde die Gesamtleistung seines Mitschülers  Anton Scherers (später Ordinarius für Vergleichende Sprachwissenschaft) noch vor die Heisenbergs gesetzt. Schließlich erreichten beide die Aufnahme ins Maximilianeum. Das größte Privileg war freie Kost und Logis im Gebäude der Stiftung, dem  Maximilianeum in München. Da aber Heisenbergs Eltern in der Äußeren Hohenzollernstraße lebten und er deshalb als Student zu Hause wohnen bleiben konnte, hat er auf dieses Anrecht verzichtet.

Das Studium an der Universität München begann enttäuschend. Der berühmte Ferdinand Lindemann befand ihn durch seine bisherige Lektüre, insbesondere durch das Buch von Herrmann

Arnold Sommerfeld

Arnold Sommerfeld

Weyl "Raum-Zeit-Materie", für das Studium der Mathematik verdorben. So ging Heisenberg auf den Rat seines Vaters zu Arnold Sommerfeld, und diese Begegnung entschied über sein Leben.

Arnold Sommerfeld vertrat an der Universität München  die theoretische Physik, die auch mathematische Physik genannt wurde, weil sie physikalische Probleme mit mathematischen Methoden behandelte. Die theoretische Physik war zu dieser Zeit auf dem Weg zum eigentlichen Kern- und Grundlagenfach der ganzen Naturwissenschaft. Ein entscheidender Durchbruch war dabei 1913 Niels Bohr gelungen. Er hatte unter Zuhilfenahme der von Max Planck entdeckten Naturkonstanten h seine beiden Quantenpostulate formuliert. Sommerfeld hatte den Gedanken des dänischen Forschers aufgegriffen und zum  "Bohr-Sommerfeldschen Atommodell" ausgebaut. 1919 erschien Sommerfelds Buch  "Atombau und Spektrallinien". Es wurde zur Grundlage aller weiteren Forschung auf diesem Gebiet.

Sommerfeld zeichnete sich noch mehr als durch seine wissenschaftlichen Leistungen durch erfolgreiche akademische Lehrtätigkeit aus. In einem ihm eigenen dialogischem  Arbeitsstil stand er in ständigem Gedankenaustausch mit dem Kreis der ihm Ergebenen.

Er verstand es in wunderbarer Weise das Genie Heisenberg zu fördern. Schon im ersten Semester durfte Heisenberg ein Problem selbstständig bearbeiten. "Sommerfeld gab mir die experimentellen Werte des anomalen Zeemann-Effekts... Nach sehr kurzer Zeit, ich glaube eine oder zwei Wochen, ging ich wieder zu Sommerfeld und hatte das vollständige Termschema. Ich kam mit einem Ergebnis, das ich fast nicht  vorzulegen wagte, und er war ganz schockiert. Ich sagte: "Die Sache funktioniert nur, wenn man halbe Quantenzahlen verwendet." Damals hatte noch nie jemand von  halben Quantenzahlen gesprochen; die Quantenzahl war eine ganze Zahl. "Das muß falsch sein", sagte er: "Das ist völlig ausgeschlossen. Das einzige was wir in  der Quantentheorie wissen, ist, daß man es mit ganzen Zahlen und nicht halben zu tun hat." 2

Die ganzen Zahlen waren so etwas wie ein persönliches Glaubensbekenntnis  Sommerfelds. Nun wollte Heisenberg diese gleich in seinem ersten Semester abschaffen.  "Es gab eine lange Diskussion, ob man halbe Quantenzahlen zulassen dürfe oder  nicht, aber schließlich wurde Übereinstimmung erzielt, daß die halben Quantenzahlen wahrscheinlich richtig waren."3

Heisenberg hatte sogleich ein Problem an vorderster Front der Wissenschaft in Angriff genommen und auf Anhieb gelöst. Vom ersten Tag seines Studiums an wurde Heisenberg mit der langsam entstehenden Quantentheorie vertraut. Das er nicht wie Lorentz und Max Planck zu stark in der klassischen Physik verwurzelt war,  kam ihm dabei zu Vorteil.

Während Heisenberg erfolgreich auf dem Gebiet der modernsten Atomphysik war, eignete er sich gleichzeitig einen umfangreichen Wissensstoff an. Im ersten Semester hörte er bei Sommerfeld Mechanik und absolvierte die Übungen. Nach der Vorlesung traf man sich im Seminarraum des Instituts. Zu dieser Zeit war Wolfgang Pauli eine Art Hilfsassistent. Wenn man eine Frage hatte konnte man sich an die Assistenten wenden. Auf diese Weise begannen Heisenbergs Diskussionen mit Pauli.

Heisenberg hatte in Pauli einen fast gleichaltrigen kongenialen Freund gefunden. Paulis  Skepsis war die ideale Ergänzung zu Heisenbergs starker Phantasie. Eineinhalb Jahre älter als Heisenberg verhalf Pauli Heisenberg in den ersten Wochen mit (geistigen) Rippenstößen auf die richtige Bahn.

Die geistige Heimat aller Sommerfeld-Schüler war der Seminarraum des Instituts. Hier wurde gemeinsam über die neuesten Entwicklungen diskutiert und versucht  sich eine Meinung dazu zu bilden.

Im zweiten Studiensemester hörte Heisenberg bei Sommerfeld eine Vorlesung über "Hydrodynamik, Elastizität etc.". Dieser Vorlesung entnahm er seine Anregungen zu seiner ersten wissenschaftlichen Veröffentlichung "Die Absolute Dimension der Karmannschen Wirbelbewegung". Sommerfeld war von den Ergebnissen so begeistert, daß er Heisenberg veranlaßte, neben der Quantentheorie auch dieses Thema weiterzuverfolgen.

Nur zwei Semester studierten Pauli und Heisenberg gemeinsam, denn schon im Juli 1921 promovierte Pauli mit "summa cum laude". Er ging erst nach Göttingen und  später nach Hamburg. Pauli und Heisenberg trafen sich aber auch weiterhin mehrmals im Jahr und korrespondierten regelmäßig.

Der einundzwanzigjährige Heisenberg verfaßte nach der Veröffentlichung über ein hydrodynamisches Thema noch zwei weitere wissenschaftliche Abhandlungen aus  dem Gebiet der Atomphysik, davon eine gemeinsam mit Sommerfeld.

Quellen:
1 Verzeichnis der Bewerber um Aufnahme in das Maximilianeum für das Jahr 1920
2Interview Nr. 1 S. 5f
3Interview Nr.1 S. 6

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1997 Daniel Maringer